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Klein, aber oho: Bakterien lindern das Reizdarmsyndrom

 

© dragonstock Adobe Stock307119059

Bauchkrämpfe, Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall … der sensible Darm hat viele Gesichter. Und seine Symptome können Betroffene (schätzungsweise vier bis zehn Prozent der in Deutschland Lebenden) erheblich unter Druck setzen, sie sogar unfrei machen in ihren Entscheidungen und Planungen. Das Reizdarmsyndrom (RDS), auch als Irritable Bowel Syndrome (IBS) oder Colon irritabile bezeichnet, nimmt gerne während des zweiten und dritten Lebensjahrzehnts seinen Anfang – und bleibt manchem von uns jahre- und jahrzehntelang treu. Frauen sind übrigens häufiger betroffen als Männer.
Doch, so unangenehm das Reizdarm-Syndrom auch ist, und obwohl es die Lebensqualität beeinträchtigen kann, es ist keine gefährliche Erkrankung. Auch ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko ist nicht zu befürchten.
Als Auslöser können eine genetische Disposition, starke seelische oder auch körperliche Belastungen sowie Infektionen, bzw. deren Behandlung, so sie mit Antibiotika erfolgt, infrage kommen. Eine stärkere Durchlässigkeit (Permeabilität) der Darmschleimhaut beispielsweise kann dazu führen, dass deren Barrierefunktion reduziert und für Krankheitserreger leichter zu durchdringen ist. Auch eine von der Norm abweichende Darmperistaltik (Motilitätsstörung) kann bei der Reizdarmsymptomatik eine Rolle spielen.
Häufig ist die Immunaktivität in der Darmschleimhaut Betroffener erhöht. Das Nervensystem unserer Darmwand, gerne auch „Bauchhirn“ genannt, registriert, wenn Nahrung sich ansammelt und diese Wand dehnt. Es besteht die Vermutung, dass bei Reizdarm-Patienten die Darmwand besonders sensibel auf solche Dehnungsreize reagiert. Vielleicht arbeiten im Falle von RDS alle Beteiligten (unter anderem die Darmmuskulatur, das Nervensystem, der Botenstoff Serotonin, der die Wahrnehmung der Darmtätigkeit intensivieren und im ungünstigen Fall dafür sorgen kann, dass wir diese als schmerzhaft empfinden) einfach nicht Hand in Hand. 
Eine weitere mögliche Ursache dafür, dass unser (Magen-Darm-)System nicht regelrecht funktionieren kann, ist eine geschädigte, unausgeglichene Darmflora – und diese Erkenntnis ist einer der vielversprechenden Lösungsansätze. Das Mikrobiom unseres Darms können wir mithilfe von gesundheitsfördernden Mikroben, so genannten Probiotika wie sie auch in milchsauren Produkten vorkommen, wieder stärken, so dass insgesamt das Immunsystem gestärkt und Entzündungen gelindert werden können. Bereits seit dem Jahr 2011 ist in den Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms der DGVS, der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, die Probiotika-Therapie aufgenommen. Zu therapeutischen Zwecken werden allerdings gezielte (Wahl des Bakterienstammes) und höhere Dosierungen empfohlen, als sie etwas durch den regelmäßigen Verzehr von Joghurts zu erreichen wären. 
Nützlich für Betroffene kann es auch sein, ein Ernährungs-Tagebuch zu führen, um die Wirkung der jeweils konsumierten Nahrungsmittel auf die Reizdarmsymptomatik zu erkennen.

 
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